Dienstag, 3.2.2026: Afghanistan – Eindrücke einer privaten Reise und ihre ernüchternden Erkenntnisse

Im Rahmen einer privat organisierten Reise besuchte unser „Dienstags-Referent“ im Winter 25/26 Afghanistan, um sich ein eigenes Bild von der Lage im Land zu machen. Ein zentrales Anliegen war es, die Situation eines Kinderheims für Straßenkinder und Kriegswaisen in Kabul zu verbessern. Und zwar wesentlich in dem Sinne, dieses Heim künftig auch für Mädchen zugänglich zu machen – ein Vorhaben, das letztlich scheiterte.

Während des gesamten Aufenthalts bewegte sich der Referent ausschließlich innerhalb eines streng kontrollierten Umfelds. Termine, Gespräche und Bewegungen wurden von Vertretern der Taliban bestimmt. Er wurde innerhalb der Machtelite „herumgereicht“ und erhielt dabei immer wieder Einblicke in ein Afghanistan, das als ruhig, sicher und stabil dargestellt wurde. Dieses Bild entsprach jedoch nicht der Realität im Land. Dort herrscht kein Frieden.

Der Zugang zu unabhängigen Stimmen, zur Zivilgesellschaft oder zur breiten Bevölkerung war nicht möglich. Kritische Fragen wurden ausweichend beantwortet oder ideologisch begründet abgeblockt. Besonders deutlich zeigte sich dies beim Versuch, eine Öffnung des bestehenden Kinderheims für Mädchen zu erreichen. Trotz vieler Gespräche und wohlklingender Worte blieb jede konkrete Zusage aus. Das Anliegen scheiterte letztlich an den rigiden Vorgaben der Taliban, die Bildung, Schutz und gesellschaftliche Teilhabe von Mädchen grundsätzlich ablehnen. Selbst Schulbildung gibt es für Mädchen nur bis zur 6. Klasse.

Karsten Hoyer interviewt Dr. Martin K. | UT

Die Reise bestätigte die Einschätzungen internationaler Organisationen: Afghanistan befindet sich auch mehr als vier Jahre nach der erneuten Machtübernahme der Taliban in einer der schwersten humanitären und menschenrechtlichen Krisen weltweit. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist auf humanitäre Hilfe angewiesen, Millionen Menschen leiden an Hunger. Besonders dramatisch ist die Lage von Frauen und Mädchen, die systematisch aus Bildung, Arbeitsmarkt und öffentlichem Leben ausgeschlossen werden. Internationale Beobachter sprechen inzwischen von einer Form der „Gender-Apartheid“.

Nach außen vermitteln die Machthaber ein Bild von Ordnung und Normalität. Tatsächlich wird das Land autoritär regiert, Kritik unterdrückt und das gesellschaftliche Leben streng überwacht. Internationale Kontakte beschränken sich auf pragmatische Beziehungen zu wenigen Staaten; Afghanistan bleibt politisch und wirtschaftlich weitgehend isoliert. Eine internationale Anerkennung geht nahezu gänzlich.

Der Bericht macht deutlich, dass persönliches Engagement und humanitäre Initiativen unter den aktuellen politischen Bedingungen kaum nachhaltige Wirkung entfalten können. Gleichzeitig zeigt er, wie wichtig es ist, sich nicht von inszenierten Bildern täuschen zu lassen. Afghanistan ist kein befriedetes Land. Leid, Armut und Perspektivlosigkeit prägen weiterhin den Alltag vieler Menschen – insbesondere der Schwächsten der Gesellschaft.

Straßenhändler | MK
Straßenbild in Kabul | MK
Unterwegs in Kabul | MK
Im Land der Taliban | MK