Krefeld ist meine Heimat geworden

6.10.2026: Krefeld ist doch meine Heimat - Mehmet Demir erzählt die Geschichte seiner Familie

Was bedeutet Heimat?

Für Mehmet Demir ist die Antwort eng mit seiner Familiengeschichte verbunden. Bei seinem sehr persönlichen Vorstellungsvortrag im Lions Club Krefeld-Gelduba erzählte er vom Ankommen in Deutschland, von immer wieder verschobenen Rückkehrplänen der Großeltern-Generation und von der wachsenden Verbundenheit mit Krefeld. Sein Beitrag machte ein Stück deutsch-türkischer Gastarbeitergeschichte aus der Perspektive einer Familie mit türkischen Wurzeln erlebbar.

Die Geschichte beginnt 1970. Mehmets Großvater verließ die Türkei, um in Deutschland zu arbeiten. Zunächst war er als Bauarbeiter im Siegerland tätig, später führte ihn sein Weg über Duisburg nach Krefeld. Sein Ziel war klar: Mit dem verdienten Geld wollte er ein Haus und ein Stück Land in seiner Heimatregion Gaziantep kaufen und nach wenigen Jahren zurückkehren.

Doch eine schwere Herzerkrankung eines seiner Söhne veränderte die Pläne. Der Großvater entschied sich, seine Familie nach Deutschland zu holen. 1976 waren seine Frau und die vier Kinder mit ihm in Krefeld vereint. Die lange Trennung war beendet; die Sehnsucht nach einer Rückkehr in die Türkei blieb.

Immer wieder setzte der Großvater einen neuen Zeitpunkt für die Heimkehr an. Erst sollten die Kinder ihre Schulzeit und Ausbildung abschließen. Dann gründeten sie eigene Familien, und die ersten Enkel wurden geboren. Deutschland war für die nachfolgende Generation längst zum Lebensmittelpunkt geworden. Als Mehmets Vater im Februar 1991 mit nur 32 Jahren starb, blieb der Großvater, um seiner Familie und seinen Enkeln beizustehen. Er lebte bis zu seinem Tod 2008 in Deutschland; seine letzte Ruhe fand er in Gaziantep.

Mehmet selbst wurde 1983 in Krefeld geboren. Hier wuchs er auf, machte Abitur und absolvierte sein Studium und erlebte damit prägende Momente seines Lebens. Dennoch beschäftigte ihn lange die Frage der Zugehörigkeit: In Deutschland wurde er als Ausländer wahrgenommen, in der Türkei als jemand, der aus Deutschland kommt.

Seine Verbindung zu Krefeld vertiefte sich durch sein Engagement für andere. Schon als Jugendlicher half er Menschen mit Behördenbriefen und Formularen sowie bei Behördengängen. Daraus entstanden Aufgaben im Ausländerbeirat, in Vereinen und schließlich in der Kommunalpolitik. Heute arbeitet Mehmet Demir als selbstständiger Immobilienmakler und Hausverwalter und ist in seiner zweiten Wahlperiode Ratsherr für den Stadtteil Lehmheide. Inzwischen wächst die vierte Generation der Familie in Krefeld auf. Für Mehmet ist Heimat dort, wo er sich sicher und geborgen fühlt, wo seine Familie lebt und wo er Verantwortung übernimmt. Die Verbundenheit mit der Türkei bleibt dabei bestehen. Seine Antwort auf die Heimatfrage fasste er zum Abschluss so zusammen: „Ich bin ein Teil von Krefeld und Krefeld ist ein Teil von mir geworden.“

Ein super persönlicher Vortrag. Herzlichen Glückwunsch zur Lions-Mitgliedschaft, lieber Mehmet.

Mehmet Demir wird von Thomas Ratz in den Lions Club aufgenommen | UT

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