Vortrag vom 1.12.2025
Prof. Dr. med. Christoph Vogt berichtet ausführlich über den Zusammenhang zwischen dem Anwachsen von Infektionskrankheiten und dem Klimawandel. Besonderer Augenmerk wird auf die zunehmende Antibiotika Resistenz gelegt.
Die Mücke ist das gefährlichste Tier der Welt. 1,2 Mio. Menschen sterben pro Jahr an den Folgen eines Mückenstichs. Und es kommt noch schlimmer: Die Folgen des Klimawandels haben massive Auswirkungen auf die Ausbreitung tropischer Krankheiten auch in der Mitte Europas. So erklärt es uns Prof. Dr. Christof Vogt bei unseren gestrigen Montag-Abend Gesprächen.
Prof. Vogt macht deutlich, dass der Klimawandel längst Realität ist und Europa sich schneller erwärmt als viele andere Regionen der Erde. Diese Entwicklung führt nicht nur zu häufigeren Extremwetterereignissen wie Überschwemmungen, sondern beeinflusst auch direkt die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Über die Hälfte aller bekannten humanpathogenen Erkrankungen kann durch klimatische Veränderungen verschlimmert werden – besonders jene, die durch sogenannte Vektoren wie Mücken, Zecken oder Nagetiere übertragen werden.
Ein Schwerpunkt seines Vortrags liegt auf von Mücken übertragenen Erkrankungen.
Das West-Nil-Virus, früher eine reine Reiseerkrankung, ist seit 2018 in Deutschland bei Tieren und seit 2019 auch beim Menschen nachgewiesen. Steigende Temperaturen verlängern die Aktivitäts- und Übertragungszeiten der Mücken, sodass das Virus mittlerweile fest in Mitteleuropa angekommen ist.
Aber auch Denguefieber breitet sich rasant aus. Weltweit wurden 2024 über 14 Millionen Fälle registriert, und durch invasive Mückenarten wie die Asiatische Tigermücke steigt das Risiko lokaler Ausbrüche auch in Europa kontinuierlich an. Bereits mehrere europäische Länder verzeichnen autochthone – also lokal erworbene – Dengue-, Zika- oder Chikungunya-Infektionen.
Die wachsende Bedeutung tropischer Vektoren wird auch an der Sandmücke deutlich, deren Lebensraum sich durch milde Winter nach Norden ausdehnt und zunehmend Fälle der kutanen Leishmaniose begünstigt. Auch Zecken profitieren vom Klimawandel: Sie werden früher im Jahr aktiv, bleiben es länger und breiten sich in neue Regionen aus. Die Folge ist ein deutlicher Anstieg von FSME- und Borreliose-Fällen, nicht nur in klassischen Risikogebieten. Neue Arten wie die tropische Hyalomma-Zecke tauchen inzwischen ebenfalls in Deutschland auf.
Woran selten jemand denkt: Auch Nagetiere wie die Rötelmaus tragen zur Ausbreitung des Hantavirus bei. Die Infektionen verlaufen oft schwer und können Nierenversagen verursachen. Prof. Vogt betont einfache Schutzmaßnahmen für Alltagssituationen wie das Reinigen von Schuppen oder Kellern, um Ansteckungen zu vermeiden. Eine einfache Atemmaske, wie wir sie aus der Corona Zeit kennen, können bereits den Unterscheid machen.
Darüber hinaus weist er auf ein weniger bekanntes, aber zunehmendes Risiko hin: Vibrionen in der Ostsee. Diese Bakterien vermehren sich stark, sobald das Meer über mehrere Tage 20 Grad überschreitet, und können schwere Wundinfektionen verursachen – selbst bei kleinen Schnitten oder Hautrissen. Todesfälle in Deutschland zeigen, dass auch heimische Gewässer zunehmend unsicher werden.
Die mit Abstand größte Bedrohung geht jedoch von antibiotikaresistenten Keimen aus, deren Verbreitung ebenfalls durch höhere Temperaturen beschleunigt wird. Wärmere Bedingungen fördern sowohl das Wachstum vieler Bakterien als auch ihren genetischen Austausch, wodurch Resistenzen schneller entstehen. Dies könnte in Zukunft zu einer der größten gesundheitlichen Herausforderungen weltweit werden.
Das Fazit ist klar: Der Klimawandel beeinflusst die Infektionsmedizin in einem Ausmaß, das wir lange unterschätzt haben. Prävention, Aufklärung, gezielte Impfungen und verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika sind entscheidend, um diesen Entwicklungen zu begegnen.





